Warheit oder Mythos: Die Selbstreinigungskraft der Wolle

Wenn wir zu Wolle beraten, dann sagen wir immer irgendwann ganz begeistert „Und Wollwindeln muss man auch echt selten waschen, weil sie selbstreinigend sind…“ Und alle Beratungseltern so: „Äh…wie geht das denn?“ Damit ihr diese Frage demnächst wirklich kompetent und mit Hintergrundwissen beantworten könnt, haben wir für euch recherchiert!

Wie macht die Wolle das mit der Selbstreinigung?

Wolle hat viele tolle Eigenschaften und das liegt am Aufbau und der chemischen Zusammensetzung einer Wollfaser. Aber reinigt sich Wolle jetzt wirklich selbst? Ja, irgendwie schon. Schmutz gelangt gar nicht erst in die Faser!

Der oberste Mantel einer Wollfaser ist ein Bollwerk, dass Schmutz und Dreck nur schwer durchdringen kann. Die bewegliche Schuppenschicht und die hohe Elastizität trägt dazu bei, dass Schmutzpartikel nur schwer haften bleiben. Diese Schuppenschicht bedingt übrigens auch, dass Wolle sich verfilzt, wenn sie im Wasser bewegt wird. Die Schuppen verhaken sich nämlich bei Bewegung untereinander. Als kleiner Zusatz obendrauf: Wolle ist antistatisch, d.h. sie zieht Staub und Schmutz nicht an.

Warum Wolle nicht (so schnell) stinkt

Die oberste Schicht der Wollfaser ist hydrophob, das bedeutet, dass Wassertropfen abperlen, Wasserdampf aber durchgelassen wird. Deshalb gelangt z.B. bei Schweiß oder auch Urin die Feuchtigkeit in die Faser: Das Material fühlt sich trocken an. Salze und Duftpartikel jedoch nicht. Das führt dazu, dass Wolle nicht so schnell müffelt, wie andere Materialien. Sauberer wird die Wäsche dadurch aber nur gefühlt.

Zauberzutat Lanolin

Aber was machen jetzt Lanolin und wie ist das mit Bakterien in der Windel?

Der Lanolin-Support

Das Wollwachs, dass die Wollfasern umgibt, ist nicht nur zusätzlicher Schutz, der Schmutzpartikel abhält. Lanolin reagiert mit dem Ammoniak aus Urin oder z.B. auch mit Schweißsalzen und verseift zu einer Lauge, die reinigende Wirkung hat. Chemie ist crazy!

Ist Wolle anti-bakteriell?

Eigentlich bieten die Proteine der Wolle einen hervorragenden Nährboden für Bakterien. Gerade naturbelassene Wolle ist deshalb nicht anti-bakteriell. Es gibt jedoch Studien, die sich die einzelnen Bestandteile der Wollfaser angeschaut haben und dort eine anti-bakterielle Wirkung feststellen konnten. Auch hier spielt wieder die hydrophobe (wasserabweisende) Eigenschaft der Faser eine wichtige Rolle. Bakterien, die sich in einer Wasserlösung aufhalten, können nicht in die Faser eindringen und finden so keinen Nährboden.

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Fazit

Wolle kann ziemlich viel, aber trotzdem sollte sie ab und an richtig gewaschen werden. Gerade in unserem Bereich, wo sie viel mit Urin und Stuhl in Verbindung kommt und daher auch vermehrt mit Bakterien. Trotzdem ist sie ein sehr robustes Material, dem man so schnell nichts anhaben kann. Bei normaler Kleidung sieht das nochmal anders aus. Da kann es auch reichen, den Dreck abzubürsten.

Das macht Wolle einfach super:

  • Schuppenschicht
  • Antistatisch
  • Hydrophob
  • Lanolin-Verseifung

Was sag ich jetzt meinen Kund:innen?

Deine Antwort auf die Frage „Selbstreinigend…wie geht das denn?“ könnte lauten:

Weil die Wollfasern eine schmutzabweisende Schuppenschicht haben, wassserabweisend und antistatisch sind. Schmutz perlt also ab und Staub wird auch nicht angezogen. Außerdem verseift das Lanolin um die Fasern in einer chemischen Reaktion den Urin.

Quellen:

  • Woolmark Learning Center
  • Caven, B., et al. “An Investigation into the Possible Antibacterial Properties of Wool Fibers.” Textile Research Journal, vol. 89, no. 4, Feb. 2019, pp. 510–516, doi:10.1177/0040517517750645.
  • Erdogan, Umit Halis, et al. “Wool Fibres.” Handbook of Natural Fibres, edited by Ryszard M. Kozłowski, 2nd ed., Woodhead Publishing, 2020, pp. 257–278. Woodhead Publishing Series in Textiles. doi:10.1016/B978-0-12-818398-4.00011-6.
  • Wagner Günter. Waschmittel Chemie, Umwelt, Nachhaltigkeit. 4th ed., Wiley-VCH Verlag GmbH & Co. KGaA, 2010.

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